|
Ruhr Nachrichten: Für viele gab´s nur Stehplätze
Witten - Riesenandrang gab es in der Universität. Nahezu 600 Menschen strömten herbei, um die Premiere des
Paulus-Oratoriums zu erleben.
Chor und Orchester der Universität, insgesamt 145 Mitwirkende, brachten unter Leitung von Universitätsmusikdirektor Ingo Ernst Reihl in fast dreistündiger Aufführung
das gewaltige Opus 36 von Felix Mendelssohn-Bartholdy 'auf die Chorstufen'. Da das Parkett die Zuhörer nicht fassen konnte, verteilten sich die Leute auf Galerien und Brücken. Mancher ergatterte
nur einen Hörplatz im Hintergrund, viele mussten mit Stehplätzen vorlieb nehmen.
Zahlreiche neue Studenten und angehende Musiklehrer des Instituts für Waldorfpädagogik wirkten
erstmals mit. Auf Routine konnte UMD Reihl daher in der Probenarbeit nicht zurückgreifen, musste für das hörenswerte Ergebnis um so härter arbeiten.
Namhafte Solisten
Als Solisten hatte man Benita Borbonus (Sopran) vom WDR Rundfunkchor Köln, Dagmar Linde (Alt), Preisträgerin des Torneo Internazionale di Musica 2006, Peter König (Tenor) vom
Staatstheater am Gärtnerplatz in München sowie Christian Palm (Bariton), demnächst am Staatstheater Mannheim engagiert, gewonnen.
Der erzählend-dramatischen Komposition, uraufgeführt 1836, liegt ein episodisch aufgebautes Libretto des Komponisten sowie des Theologen Julius Schubring, um Leben und Mission des Pharisäers Saul, der Paulus wurde, zugrunde.
Sanfte und elegische Choräle ebenso wie monumental-expressive Chöre, das fordernde "Steiniget ihn!", dringen aus 90 Kehlen hervor, eindrücklich skandiert wie Fanfarenstöße. Saubere
Orchesterarbeit liefern die zumeist jungen Musiker ab, vom begleitenden Ostinato bis zum gewaltigen Fortissimo, geben alles. Dagmar Linde mit ihrer großen Stimme hat nur eine kleine
Partie. Benita Borbonus glänzt wunderbar fein mit 'Jerusalem', geht aber oftmals mit zu schwachem piano unter. Peter König ist die Stütze des Solistenquartetts.....
Reihl am Pult weiß genau, wo seine Mannen der Stützung bedürfen. Die Einsätze wirft er dem Chor mit aller Gewalt entgegen, stößt mit dem Taktstock zu. Jede Note lässt er die Sänger von seinen Lippen ablesen.
Glanzleistung
Mit kraftvolle Sprüngen holt der Mann im Frack die Reserven heraus, verausgabt sich als Animateur in höchstem Maße. War schon zur Pause eine bravouröse Glanzleistung zu würdigen, so gab der
Schlussapplaus erneut Bestätigung für die monatelange Arbeit.
- Martin Schreckenschläger 11. Dezember 2006 | Quelle: RN
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Ruhr Nachrichten: "Paulus"-Oratorium auf hohem Niveau
Wullen - Dem Höhepunkt des Jahres fiebern die Studenten der Universität Witten/Herdecke heute
und morgen entgegen: Der Aufführung des Mendelssohn-Oratoriums "Paulus".
Mit viel Engagement haben sich Studenten aller Fakultäten zusammengefunden, um das Stück zu
hinterleuchten, einzustudieren und nun endlich vor ein Publikum zu bringen.
Unter der Leitung von Universitätsmusikdirektor Ingo Ernst Reihl haben sie einige Hürden
überwunden: "Anfangs war ich nach jedem Einsingen heiser", erzählt Ingmar Lampson, Erstsemestler an der Wirtschaftsfakultät der Uni. Die Heiserkeit hat er nach vier Monaten intensiver
Probenarbeit mit Chor und Orchester überwunden. Auch die Reflexion über das Stück "Paulus" und die Problematik der Heidenmission hat den Studenten geholfen, das Stück besser zu verstehen
und somit zu interpretieren: "Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, aus voller Kehle Steiniget ihn! zu schmettern", so Studentin und Chorsängerin Larissa Zierow, "aber die Kernaussage ist ja
zeitlos: Wo heute Menschen Dogmen hinterfragen, dauert es auch nicht lange, bis andere sie steinigen wollen."
Kunst ist an der Universität Witten/Herdecke ein wichtiger Aspekt. Neben dem wissenschaftlichem
Studium erfahren die Studenten so auch, wie etwa Musik verbindet und Emotionen transportiert. Dass es dadurch auch ohne Worte möglich ist, sich zu verstehen. Das hohe Niveau von Chor und
Orchester spricht für die Begeisterung der mitarbeitenden Studenten.
Die "Paulus"-Aufführungen sind heute, um 20 Uhr in der Universität Witten/Herdecke und morgen,
ebenfalls um 20 Uhr, im Mariendom zu Neviges. Die Karten kosten zehn, ermäßigt fünf Euro.
Samstag, 09. Dezember 2006 | Quelle: Ruhr Nachrichten (Witten)
|