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WAZ: Am Fliegenfänger
"The Civil Wars" in der Kraftzentrale des Landschaftsparkes als Multimedia-Spektakel.
Das Publikum wird auf Rampenstücken durch das Geschehen geschoben
In der Oper geht es ja gern mal um Helden, bevorzugt um zwielichtige. Ums Sterben geht´s sowieso. Ganz normal. Bei "The Civil Wars" von Philip
Glass und Robert Wilson geht es um nichts anderes. Nur ist das hier alles andere als normal - und damit ein klassischer Fall für die diesjährigen Duisburger Akzente, die jetzt in der Kraftzentrale des Landschaftsparks erstmals
in ihrer dreißigjährigen Geschichte mit einer Oper eröffnet wurden. Mit einem Multimedia-Spektakel, besser gesagt.
Die Gigantomanie eines multinationalen Epos, das anlässlich der Olympischen Spiele 1984 geplant war,
wurde bekanntlich nur zum Teil realisiert. Der Rest scheiterte an finanziellen Engpässen. Was übrig blieb, ist immer noch riesig: Ist doch das, was in Duisburg zu sehen war, gerade mal der 70-minütige 5. Akt des Projekts, der
"Italienische Teil".
Es geht, wie gesagt, um Vergänglichkeit. Vergilbte Bilder in alten Rahmen verlieren sich zwischen den Sternen und symbolisieren das, was bleibt: die Erinnerung, dass sich wohl mal jemand an
uns erinnert hat - und dann das Nichts. Das vermitteln die Regisseure Sigrun Fritsch und Ralf Buron in eindrucksvollen Bildern.
Es geht im Besonderen aber auch um gescheiterte Hoffnungen, um Helden, die vor den Trümmern
ihrer Visionen stehen. Helden, hier festgemacht etwa an Abraham Lincoln (Alex Sanmartí), an seinem Gegenspieler, Südstaaten-General Robert E. Lee (Benedikt Ocker), und dem italienischen Freiheitskämpfer Giuseppe Garibaldi (
Sung-Keun Park). Helden, die immer nur im Morgen leben, sich das Heute nur als Kampf vorstellen können, den Kampf, damit morgen alles gut ist.
Dem steht das weibliche Prinzip gegenüber, personali-siert etwa in der jungen
Mrs. Lincoln (Annette Huber), die nach dem Jetzt fragt und so das patriarchalische Heldentum in den Grundfesten erschüttert. Die Kämpfer finden erst am Schluss zu sich selbst, Herkules, die mythische Urfigur, steht nicht mehr
als Held da, sondern als Mensch wie du und ich, von seinen Aufgaben erlöst, mitten im Publikum.
Wie vor drei Jahren in Freiburg, als die Inszenierung des Aktionstheaters Pan.Optikum erstmals zu sehen war, wurde auch hier
das Publikum in Zweierreihen auf beweglichen Rampenstücken durchs Geschehen geschoben. Aber die Inszenierung wurde auch modifiziert, den Möglichkeiten der Riesenhalle angepasst. So konnte hier eine ursprüngliche Idee in die Tat
umgesetzt werden: Die von Glass-Expertin Karen Kamensek geleiteten Duisburger Philharmoniker waren auf drei Etagen verteilt. Und wie die Protagonisten zuweilen am "Fliegenfänger" hingen und durch die Halle schwebten -
na ja. Da war er wieder, der offenbar noch ganz rüstige Charme der Industriebrachen.
Aber alles das, das bewegte Publikum, die durch die Bank wunderbar musizierenden Solisten und Ensembles (neben den Philharmonikern der
Chor der Uni Witten/Herdecke), die visuellen Reize, alles konnte nicht über ein Manko der Klänge von Glass hinwegtäuschen: Was in der Minimal Music Sinn macht, wirkt im Opern-Umfeld schnell banal. Die elenden Endlosschleifen
(Sting hatte recht, vielleicht mehr, als er geahnt haben mag) und die trostlose Harmonik werden auch durch die zu Wagner schielenden Klangzitate nicht erträglicher. - Am Ende viel Beifall. 06.05.2007 Von Hajo Berns
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