|
Stabat mater: Universität führt Dvoráks gewaltiges Oratorium auf
"Stabat mater dolorosa" - Maria, die Mutter Jesu, wird als eine der zentralen Gestalten des christlichen (katholischen) Glaubens angesehen. Die
Marienverehrung ist eine seit dem Mittelalter ungebrochen wirksame religiöse Kraftquelle. Davon zeugen nicht nur die zahllosen Mariendarstellungen der bildenden Kunst, sondern auch viele Werke der Kirchenmusik, vor allem
Vertonungen der lateinischen Sequenz (liturgischer Hymnus) "Stabat mater dolorosa". Sie schildert die Seelenqualen der Schmerzensmutter ("auch dein Herz wird ein Schwert durchdringen", Lukas 2,35), die am
Kreuz stand (Johannes 19,25) und den grausamen Tod ihres Sohnes erlebte. Der tschechische Komponist Antonín Dvorák hat dieses Thema 1876 aufgenommen und die geistliche Kantate "Stabat mater" für vier Soli, Chor und
Orchester op. 58. geschrieben. Solisten der Litauischen Staatsoper Vilnius sowie Chor und Orchester der Universität Witten/Herdecke unter Leitung des UMD Ingo Ernst Reihl führen dieses Werk nun an drei Terminen auf:
- Sonntag, den 14. November um 19.30 Uhr in der Universität Witten/Herdecke, Alfred-Herrhausen-Str. 5
- Mittwoch, den 17. November um 19.30 Uhr in der St.Marien-Kirche in Witten
- Sonntag, den 21. November um 19.30 Uhr im Mariendom (Wallfahrtskirche) zu Neviges, Velbert
Antonín Dvoráks Werk "Stabat mater" verdankt seine Entstehung wohl auch dem persönlichen Schicksal des Komponisten. Seine musikalischen Skizzen
zu dem Thema aus dem Jahr 1876 können als Reaktion auf den Tod seines Töchterchens Josefa verstanden werden. Das unvollendete Werk blieb einige Zeit liegen. Erst als ihn zwei weitere Schicksalsschläge trafen - der Tod der
Kinder Ruzena und Ottokar im Zeitraum von weniger als einem Monat - vollendete Dvorák die zehnsätzige Kantate innerhalb von zwei Monaten. Dvoráks "Stabat mater" ist keine liturgische Musik (obgleich als Text die
lateinische Sequenz zum Fest "Gedächtnis der Schmerzen Mariens" zugrunde liegt), sondern ist für den Konzertsaal konzipiert. So fanden nach der Prager Premiere am 23. September 1880 viele Aufführungen in europäischen
und amerikanischen Konzerthäusern statt, die dem Komponisten weltweite Anerkennung bescherten. Das monumentale Werk unterscheidet sich von den "Stabat mater"-Kompositionen früherer Meister durch eine dramatische,
individuelle Gestaltung des Stoffs, die persönliches Schicksalserleben, unerschütterliche Glaubenskraft und unverkennbar böhmisch-slawisches Kolorit widerspiegelt. Helmuth Rilling, weltberühmter deutsche Oratoriendirigent, sagt
über das Werk: "Ein unglaubliches Stück. Neun langsame Sätze als Passionsmeditation und dann am Ende des zehnten Satzes die Ekstase einer Auferstehungsvision. Ich halte dieses Stück für eines der bedeutsamsten oratorischen
Werke, die je geschrieben wurden".
|